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Darstellende Künste für die Jüngsten

In unserer Arbeit für die Jüngsten geht es um das kleine Kind als Gegenüber. Seit dem zweijährigen Forschungsprojekt „Große Sprünge“, dem FRATZ Atelier „Jetzt oder wann“ und dem FRATZ Symposium 2015 ist die Erkundung der Frage, wie sich erwachsene KünstlerInnen und sehr junge Kinder gleichwürdig im künstlerischen Prozess begegnen können, Hauptmotivation für die Recherche und Produktion in diesem Bereich.

In der Arbeit für sehr junge Zuschauer*innen gilt es, die grundsätzlichen Fragen des Theaters neu zu überprüfen. Den Blick noch ungetrübt von Konventionen, erwartet das kleine Kind nichts Bestimmtes. Es ist bereit, alles aufzunehmen, was wir ihm anbieten.Das ist eine Situation, die uns herausfordert, die Grundlagen der theatralen Kommunikation neu zu untersuchen. Die Künstler*innen öffnen ihre Weltsicht, ihre  Phantasie für den offenen und fragenden Blick des Kindes. Dessen Sicht auf uns und unsere Arbeit lässt keine Verstellung gelten, sucht nach Welterfassung, ernst und zuversichtlich. Die Zuversicht erzwingt unsere Präzision, unsere Auseinandersetzung mit dem, was wir zeigen wollen, inhaltlich und ästhetisch. Die sehr jungen Zuschauer*innen sind in der Lage, allem Abstrakten das Konkrete abzugewinnen. Die Trennlinie zwischen Realität und Phantasie ist noch nicht gezogen, das Vorstellungsvermögen ist grenzenlos, ebenso der Erfahrungswille.

Es wird immer auch für das begleitende erwachsene Publikum mitinszeniert. Die Stücke wollen "Welt erzählen". Wenn sie gelingen, sind sie ebenso komplex wie einfach.

Die Künstler*innen fragen vor Beginn der Proben und im Verlauf der Entwicklung:

Was ist der Wert des Erzählten? Was ist an dem behandelten Stoff elementar menschlich und wie können wir die entwickelten Inhalte in Bilder und Vorgänge übersetzen, die einenzweijährigen Menschen ebenso fesseln wie zum Beispiel seine 11-jährige Schwester und seine Großeltern.

Ein wichtiger Indikator für ein gelungenes Theaterereignis im Segment für sehr junge Zuschauer*innen ist, wenn die erwachsenen Begleitpersonen ihre Rolle als WeltvermittlerInnen ("sieh mal, ein Hase!") für die Zeit der Aufführung vergessen und selbst als Rezipient*innen in das Kunsterlebnis einsteigen. In diesem Fall wird der ästhetische Genuss zum gemeinsamen Erleben, ein Erfahrungsraum über die Generationen hinweg öffnet sich. Eine wahrhaft beglückende Erfahrung.

In unserer Arbeit für die Jüngsten geht es um das kleine Kind als Gegenüber. Im Begriff des Gegenübers schwingen viele Konnotationen mit: es drückt Fremdheit und Distanz aus, das Gegenüber befindet sich auf der anderen Seite. Doch folgt man Martin Bubers dialogischem Prinzip „Ich und Du“, dann steckt in der Benennung des Gegenübers vor allem die Hoffnung, in der Begegnung mit einem menschlichen Gegenüber die eigene Identität zu finden und „ganz Mensch“ zu werden. Die Kunst braucht diesen Anderen, dieses „Du“, damit sie sich überhaupt ereignen kann.

Sind dieses „Du“ wie im Fall des Theaters für die Jüngsten sehr kleine Kinder, erfordert der Dialog eine intensive Einlassung. Das kleine Kind bleibt uns fremder als ältere Kinder oder Erwachsene. Es ist schwerer „lesbar“, seine Reaktionen und Empfindungen bleiben uns verborgen, wenn sie nicht gerade extreme Angst oder Freude ausdrücken. Das meistgenutzte Kommunikationsmedium zwischen Erwachsenen – die semantische Sprachebene – steht nur begrenzt zur Verfügung. Dafür aber viele andere Mittel, die in den Künsten einen gleichwertigen Platz haben: Musik, Klang, Sprachmelodie, Bewegung, Tanz, Rhythmus, Bild, Licht, Form etc.. Die Möglichkeiten, mit dem kleinen Kind als Gegenüber in Kontakt zu treten, sind vielfältig.

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