Geschichte und Profil

Das Theater o.N. ist ein seit fast 40 Jahren bestehender Verbund von Schau- und Puppenspieler*innen, Regisseur*innen, Musiker*innen und Schriftsteller*innen. Es war das erste und lange Zeit einzige freie Theater der DDR. Unter dem Namen „Zinnober“ entwickelten die KünstlerInnen wegweisende Inszenierungen wie „traumhaft“ (1985) oder „Die Bremer Stadtmusikanten“ (1986).

In seiner jetzigen Konstellation arbeitet das Theater o.N. seit 2010 und schafft mit seinen Arbeiten Kulturangebote für Menschen jeden Alters und unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft. Zwei Jahre lang leitete Ania Michaelis das Theater und setzte neue Schwerpunkte, 2012 übernahmen Dagmar Domrös und Vera Strobel die künstlerische Leitung und werden seit 2013 zusätzlich durch Doreen Markert unterstützt.

Im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters erforscht und entwickelt das Theater o.N. das die darstellenden Künste für die Jüngsten (ab 2 Jahren) und setzt mit seinen Inszenierungen und dem zweijährlich stattfindenden „FRATZ – Internationales Theaterfestival für sehr junge Zuschauer“ in Deutschland und international künstlerische Impulse für diese Theaterform. 2014 wurde das Ensemble hierfür mit dem George Tabori Förderpreis ausgezeichnet.

Seit Gründungszeiten arbeitet das Theater o.N. mit dem Ansatz des Biografischen Theaters und entwickelt den Großteil seiner Inszenierungen ohne textliche Vorlage. In seinen partizipativen Projekten in Berlin Marzahn-Hellersdorf wenden die Künstler*innen diese Methode auch auf die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen an.

Körperbetontes Spiel und eine Art fantastischer Realismus, eine eigene Ausprägung der biografischen Methode und das Objekt- und Puppentheater sind die Merkmale der Inszenierungen des Theater o.N.. Mit diesen Mitteln betreibt das Ensemble seine ästhetische Forschung - in den Arbeiten für die Jüngsten genauso wie für sein erwachsenes Publikum. In ihrer Laudatio anlässlich der Preisverleihung des George-Tabori-Förderpreises 2014 schreibt Christel Hoffmann:

„Was diese Spieler im Inneren bewegt, wo sie sich an der Welt reiben, was ihnen unter die Haut geht, übersetzen sie mit materiellen und immateriellen Dingen, oft mit profanen Gegenständen, die jeder durch seinen alltäglichen Gebrauch kennt. Sie lösen die Dinge aus der gewohnten Umgebung, verwandeln sie und entdecken auf diese Weise, was in ihnen steckt. Sie nehmen ihre Zuschauer auf diese Entdeckungsfahrt mit und erleben mit ihnen wie eine Komposition entsteht, die die Phantasie der Zuschauer – gleich welchen Alters, herausfordert.

Wobei – wer will es leugnen – dieses Verhalten der Künstler und das der Kinder – Peter Hacks nennt sie die „poetischen Menschen“  sich ähneln, wenn nicht sich sogar entsprechen. Die Kunst, die durch dieses Zusammenspiel entsteht, hat sehr viel mit Berührung zu tun.“

 

Weblinks
Laudatio von Prof. Dr. Christel Hoffmann zur Verleihung des Georg-Tabori-Förderpreises

Wikipedia 

Literatur
TRAUM-HAFT, Henning Rischbieter in Theater heute, Heft 12/1986
Die Oderberger/Straßengeschichten, Frank Starke in Die Weltbühne, Heft 36 vom 8. September 1987
Traumhaft : Theater Zinnober, Improvisationen, Spiele, Protokolle, Veröffentlichung einer Sammlung von Texten im Aufbau Verlag 1991, (Hrsg.: Gerhard Wolf)

Film
Der gordische Knoten, (letzter) Dokumentarfilm der DEFA über die Mitglieder des „theater ZINNOBER“, Regie: Jochen Krauser, Kamera: Sebastian Richter, 1991

 

Positionierung

Öffentliches Leben wird zunehmend als Spektakel von und für die Masse wahrgenommen. Wir suchen demgegenüber im und mit dem Theater nach der individuellen Stimme. Damit verfolgen wir die Erkenntnis, dass »je tiefer der Mensch in seine persönlichste und geheimste Vorahnung hinabtaucht, er zu seinem Erstaunen feststellt, dass sie die am meisten anerkannte, öffentlichste und allgemein gültige ist.« (Ralph Waldo Emerson, »The American Scholar«)
Wir suchen im und mit dem Theater eine handlungsfähige Haltung zu und in der
Gesellschaft, in der wir leben. Vordergründig politisch zu sein war in der langen
Geschichte des Theater o.N. nie intendiert. Gleichwohl ist unsere Herangehensweise an sich politisch. Individuelle Biografie ernst zu nehmen und in Zeitbezug zu setzen, ist seit Gründung der Gruppe der Ansatz der Theaterarbeit.
Mit allen unseren Arbeiten folgen wir der Idee, dass Kultur für alle Menschen von
Bedeutung ist, egal welchen Alters und unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft.

 

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